Kritiker des Konzepts der Sexsucht argumentieren, dass wir das zugrundeliegende Trauma und nicht das manifeste Verhalten behandeln müssten. Dieses Argument hat durchaus seine Berechtigung, ändert aber nichts an der Bezeichnung des Verhaltens als „süchtig“. Im Vergleich dazu weisen auch Drogen- oder Glücksspielsüchtige häufig schwerwiegende Grundprobleme auf, die auf Missbrauch, Entfremdung, Hoffnungslosigkeit und Armut zurückzuführen sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir aufhören sollten, den Begriff „Sucht“ zur Beschreibung ihres Verhaltens zu verwenden. Man könnte zwar argumentieren, dass es selbstverständlich sei, dass solche Drogenkonsumenten ein zugrundeliegendes Problem haben, doch das wäre wissenschaftlich nicht haltbar.
Nikotin zählt zu den am stärksten süchtig machenden Substanzen, doch ich bin keineswegs überzeugt, dass alle starken Raucher aufgrund einer psychischen Vorerkrankung wie Depressionen oder Angstzuständen zu dieser Sucht getrieben wurden. Manche werden sicherlich durch das Nikotin selbst in die Nikotinsucht getrieben. Ähnlich verhält es sich mit Pornosüchtigen: Manche behaupten, keine psychische Vorerkrankung zu haben, sondern dass die Pornografie ihr Problem erst verursacht habe.
Um logisch zu argumentieren, dass Sex keine Sucht sein kann, muss man definieren, was eine sexuelle Sucht ausmacht und warum dieses Kriterium hier nicht zutrifft. Wenn sich beispielsweise jemand als Atheist bezeichnet, ergibt das keinen Sinn, solange man nicht weiß, was ein Theist ist. Der Begriff „asexuell“ setzt ein gewisses Verständnis von „sexuell“ voraus.
Zwei Personen sitzen nebeneinander an zwei Computern und zeigen identische Verhaltensmuster. Die eine nutzt Facebook, die andere Pornoseiten. Beide würden lieber etwas anderes tun und haben bereits Hilfe gesucht. Warum dürfen wir nur die erste Person als „süchtig“ bezeichnen?
Die Verwendung des Begriffs „Zwang“ anstelle von Sucht suggeriert, dass unkontrolliertes Sexualverhalten mehr mit exzessivem Händewaschen und Kontrollieren als mit Drogenkonsum gemein hat. Tatsächlich gibt es gewisse Gemeinsamkeiten. Der Unterschied ist jedoch aufgrund der biologischen Ursachen dieser Verhaltensweisen tiefgreifend. Tritt unkontrolliertes Sexualverhalten häufiger in Verbindung mit einer Zwangsstörung auf als mit anderen Süchten? Ich würde gerne die Antwort darauf erfahren.
Wenn die bekannteren Gegner des Konzepts der Sexsucht so von ihrer Position überzeugt sind, warum müssen sie dann solche Mittel einsetzen? unethische Taktiken Um es zu beweisen?
(Prof.) Frederick Toates
Offene Universität,
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