Das Alter, in dem man regelmäßig Inhalte für Erwachsene konsumiert, lässt Rückschlüsse auf die zukünftige psychische Gesundheit zu.

Anmerkung: Zu beachten ist, dass 67 % der repräsentativen Stichprobe aus der Gruppe mit den meisten Problemen bestanden.

Das Verständnis dafür, wie Menschen Gewohnheiten im Umgang mit erotischen Inhalten entwickeln, kann helfen, potenzielle psychische Risiken im späteren Leben zu erkennen. Forscher identifizierten drei unterschiedliche Muster, wie Erwachsene mit dem Konsum von sexuell explizitem Material beginnen, und stellten fest, dass die Etablierung einer regelmäßigen Gewohnheit in jungen Jahren mit einem höheren Risiko für psychische Erkrankungen einhergeht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift veröffentlicht. Computer im menschlichen Verhalten.

Der Konsum von Unterhaltungsinhalten für Erwachsene ist in verschiedenen Altersgruppen weit verbreitet. Viele Jugendliche sehen sexuell explizite Bilder oder Videos unbeabsichtigt, beispielsweise durch Internetwerbung oder Links, die von Gleichaltrigen geteilt werden. Forscher unterscheiden zwischen dieser ersten Begegnung und dem Zeitpunkt, an dem sich eine Person entscheidet, regelmäßig nach solchen Inhalten zu suchen.

Im Bereich der Suchtforschung beobachten Experten, dass der Beginn von Alkoholkonsum oder Glücksspiel in jungen Jahren mit einem höheren Risiko für die Entwicklung einer Verhaltensstörung im Erwachsenenalter einhergeht. Psychologen wollten herausfinden, ob der zeitliche Verlauf des Konsums von Inhalten für Erwachsene einem ähnlichen Muster folgt. Sie stellten die Hypothese auf, dass ein kürzerer Zeitraum zwischen dem ersten Kontakt und dem regelmäßigen Konsum mit negativen psychologischen Folgen korrelieren könnte.

Problematisches Medienkonsumverhalten geht oft mit Kontrollverlust, starkem Verlangen nach den Inhalten, Beeinträchtigungen des Alltags und dem Versuch einher, negative Emotionen durch Medien zu vermeiden. Wiederholte Versuche, das Konsumverhalten zu kontrollieren, können schließlich die beruflichen Verpflichtungen und persönlichen Beziehungen beeinträchtigen. Psychologen bezeichnen diese Symptome als Anzeichen von psychischer Belastung oder Verhaltensstörungen.

Bailey M. Way, Psychologin an der University of Nevada, Las Vegas, leitete ein Team, das diesen zeitlichen Verlauf untersuchte. Way und ihre Kollegen stellten fest, dass viele bestehende Studien lediglich Daten zum Alter des ersten Kontakts erhoben hatten. Indem sie die Probanden sowohl nach ihrem ersten Kontakt als auch nach ihrer ersten regelmäßigen Nutzung befragten, hoffte das Team, ein differenzierteres Bild der Verhaltensentwicklung zu zeichnen.

 

Die Forscher stützten sich auf Umfragedaten von 1,316 US-amerikanischen Erwachsenen. Die Stichprobe entsprach den demografischen Normen der Vereinigten Staaten und spiegelte die Gesamtbevölkerung hinsichtlich Alter, Geschlecht, geografischer Region, ethnischer Zugehörigkeit und Haushaltseinkommen genau wider. Die Teilnehmer beantworteten Fragen dazu, wann sie zum ersten Mal sexuell explizites Material gesehen und wann sie begonnen hatten, es regelmäßig zu konsumieren.

Die Umfrage erfasste auch die aktuellen Sehgewohnheiten der Teilnehmer, darunter die Häufigkeit des Fernsehens und die Dauer der üblichen Sehsitzungen. Mithilfe weiterer Fragebögen wurden die Erwachsenen auf Symptome von Depressionen, Angstzuständen und Suizidgedanken untersucht. Das Forschungsteam erfasste zudem Gewohnheiten im Zusammenhang mit Alkoholkonsum, Cannabiskonsum und Glücksspiel.

Mithilfe eines mathematischen Sortierverfahrens gruppierten die Forscher die Teilnehmer anhand gemeinsamer Entwicklungszeiträume. Das statistische Modell teilte die Erwachsenen in drei unterschiedliche Kategorien ein. Die Autoren nannten diese Gruppen „Frühe Engagierte“, „Gelegentliche Engagierte“ und „Späte Engagierte“.

 

Die Gruppe der „Frühen Konsumenten“ stellte mit fast 67 Prozent den größten Teil der Stichprobe dar. Diese Personen sahen typischerweise zum ersten Mal Inhalte für Erwachsene im Alter von etwa 14 Jahren und begannen bis zum 18. Lebensjahr, diese regelmäßig zu konsumieren. Diese Gruppe berichtete von der höchsten aktuellen Konsumhäufigkeit und den längsten Konsumsitzungen.

Diese Gruppe, die früh mit dem Konsum begann, konsumierte im Vergleich zu den anderen Gruppen auch intensivere oder speziellere Inhalte. Sie berichtete von einem höheren Konsum nicht-mainstreamiger Kategorien, von gewalttätigen Inhalten bis hin zu extremen Fetischen. Die Forscher vermuteten, dass diese frühen Konsumenten im Laufe der Zeit nach extremeren Inhalten suchen könnten, um das gleiche Erregungsniveau zu erreichen.

Der Übergang zu intensiverem Material ähnelt Mustern, die bei chemischer Toleranz beobachtet werden. Mit zunehmender Desensibilisierung gegenüber standardmäßigen visuellen Reizen benötigen Betroffene mitunter stärkere oder ungewöhnlichere Bilder, um die gewünschte psychologische Wirkung zu erzielen. Diese Verhaltenssteigerung dient Klinikern, die eine berufliche oder psychische Beeinträchtigung diagnostizieren wollen, oft als Warnsignal.

Die Gruppe derjenigen, die sich frühzeitig engagierten, wies die höchsten Raten an psychischer Belastung auf. Sie erzielte in Screening-Instrumenten für Depressionen, Angstzustände und Suizidgedanken höhere Werte als die anderen Gruppen. Dieselbe Gruppe berichtete auch häufiger über Symptome im Zusammenhang mit problematischem Alkoholkonsum, Cannabiskonsum und Glücksspiel.

Die Gruppe der Gelegenheitskonsumenten zeichnete einen völlig anderen Verlauf. Sie stellten lediglich 7 Prozent der Teilnehmer dar und sahen sexuell explizites Material erst mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren. Um das 36. Lebensjahr herum etablierten sie eine regelmäßige Konsumroutine.

Das aktuelle Sehverhalten der Gelegenheitsnutzer war von allen drei Gruppen am geringsten, dennoch berichteten sie über Symptome von Depressionen und Angstzuständen in einem vergleichbaren Ausmaß wie die Vielnutzer. Sie gaben außerdem an, sich aufgrund ihrer eingeschränkten Sehgewohnheiten unwohl zu fühlen.

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Die dritte Gruppe, die sogenannten „Spätkonsumenten“, hatte wie die erste Gruppe einen frühen Zugang zu Inhalten für Erwachsene und sah diese bereits im Alter von etwa 14 Jahren. Im Gegensatz zur ersten Gruppe entwickelten sie jedoch erst mit durchschnittlich 38 Jahren regelmäßige Konsumgewohnheiten. Diese Gruppe wies die niedrigsten durchschnittlichen Werte für Depressionen, Angstzustände und allgemeine Belastung auf.

Der Kontrast zwischen den Gruppen verdeutlicht, dass gelegentlicher Konsum allein nicht der Hauptfaktor für spätere psychische Belastungen ist. Vielmehr scheint der rasche Übergang von zufälligem Konsum zu einer festen Gewohnheit den stärksten Zusammenhang mit psychischen Problemen aufzuweisen. Die Ergebnisse spiegeln Beobachtungen in der Suchtforschung wider, wo früher und häufiger Konsum auf eine Anfälligkeit für Sucht hindeutet.

Auch der demografische Hintergrund beeinflusste die Gruppenzugehörigkeit. Männer gehörten häufiger als Frauen entweder zur Gruppe mit frühem oder zu den Gruppen mit spätem Therapiebeginn. Heterosexuelle Befragte und weiße Teilnehmer waren in der Gruppe der Spätbetroffenen stark vertreten.

Umgekehrt waren Personen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen in der Gruppe mit frühem Sexualbeginn stark vertreten. Die Forschenden vermuten, dass diese demografische Überschneidung damit zusammenhängen könnte, dass junge Menschen ihre sich entwickelnde sexuelle Identität online erkunden. Repräsentation im Internet zu finden und Antworten auf Fragen zur Sexualität zu erhalten, ist für viele junge Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen eine gängige Erfahrung.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, können die Ergebnisse keinen Beweis dafür liefern, dass der Konsum von Erwachsenenunterhaltung in der frühen Kindheit psychische Erkrankungen verursacht. Es ist durchaus möglich, dass junge Menschen, die erste Anzeichen von Depressionen oder Angstzuständen zeigen, Erwachsenenunterhaltung als Bewältigungsstrategie nutzen. Wenn sexuell explizite Medien zur Regulierung negativer Emotionen eingesetzt werden, kann sich dieses Verhalten zu einer lebenslangen Gewohnheit verfestigen.

Auch generationsbedingte Unterschiede im Zugang zu Technologie beeinflussten die Entwicklung dieser drei Profile. Ältere Erwachsene in der Stichprobe wuchsen ohne Internetanschluss oder Smartphones zu Hause auf, was eine regelmäßige Nutzung während ihrer Jugend erschwerte. Jüngere Teilnehmer hatten einen leichteren Zugang zu Online-Medien, was den beschleunigten Entwicklungsverlauf der ersten Gruppe erklären könnte.

Die Studie stützte sich ausschließlich auf das retrospektive Gedächtnis und bat Erwachsene, sich an bestimmte Lebensabschnitte aus vergangenen Jahrzehnten zu erinnern. Die menschliche Erinnerung an Kindheitserlebnisse ist oft ungenau und unterliegt individuellen Verzerrungen. Eine solche Querschnittsstudie erfasst zudem nur einen einzelnen Moment im Leben einer Person, anstatt deren psychische Entwicklung zu verfolgen.

Um auf diesen Beobachtungen aufzubauen, planen die Forscher Langzeitstudien, in denen sie junge Menschen über viele Jahre begleiten. Die Erfassung des tatsächlichen Verhaltens liefert genauere Daten als die alleinige Nutzung von Kindheitserinnerungen. Bis dahin raten die Forscher Fachkräften im Bereich der psychischen Gesundheit, bei der Beurteilung von Verhaltensrisiken sowohl nach dem Alter des ersten Kontakts mit der Droge als auch nach dem Zeitraum des regelmäßigen Konsums zu fragen.

Die Studium, "Früher Kontakt und entstehendes Risiko: Eine latente Profilanalyse von Pornografiekonsummustern und deren psychologischen KorrelatenDas Buch wurde von Bailey M. Way, Todd L. Jennings, Joshua B. Grubbs, Kris Gunawan und Shane W. Kraus verfasst.

Originalartikel von PsyPost by Karina Petrova